Liebe Japan-Interessierte,

herzlich willkommen zur 21. Ausgabe von japanwissen.info!

Winteranfang

Am 21. Dezember dieses Jahres ist der Tag am kürzesten: Winteranfang – und damit Zeit für eine neue Ausgabe.

Die neuen Empfehlungen

Wie immer könnten die Werke, die ich hier vorstelle, unterschiedlicher nicht sein.

Zum einen empfehle ich einen Blick in die Theaterwelt der Edo-Zeit (1600-1868). Damals strömte das unterhaltungsverwöhnte Publikum der Städte in die Kabuki-Theater und die Bunraku-Puppenbühnen. Jede Produktion wurde neugierig aufgenommen, entweder enthusiastisch gefeiert oder nach kürzester Zeit schon wieder abgesetzt. Die Theaterstücke, die auf die Bühne kamen, griffen aktuelle Themen auf, waren technisch innovativ und galten in ihrer schrillen Buntheit als der letzte Schrei der Unterhaltung. Matsui Kesako wählte zehn davon aus und behandelt sie thematisch vor dem Rahmen der damaligen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen –spannend und unterhaltsam legt sie „geologische Schichten“ der Theaterkultur frei.

Die zweite Empfehlung ist eine Autobiografie von Katō Shizue: „Ein Leben in zwei Welten“. Katō Shizue oder Ishimoto Shidzue (Genaueres zum Namen in der Empfehlung) vereint in ihrem Leben ungewöhnlich gegensätzliche Erfahrungen, viel mehr als nur zwei Welten, wie im Titel angedeutet. In eine Familie des japanischen Hochadels geboren, wurde sie zunächst nach streng traditionellen Vorstellungen erzogen und war in einer ersten, arrangierten Ehe dreißig Jahre lang mit einem Baron verheiratet. Zu dieser Zeit lernte sie als junge Frau die USA und Europa kennen, knüpfte Kontakte zu Frauen, die sich für ihre Rechte einsetzten, und engagierte sich zunehmend politisch. Die Autobiografie schrieb sie mit knapp vierzig Jahren – als noch mehr als 65 Lebensjahre vor ihr lagen – und doch hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon Unglaubliches erlebt, das sie eindrucksvoll beschreibt.

In der Sparte „Aktuelles“ möchte ich Sie in dieser Ausgabe auf einen wahren Schatz hinweisen: auf ein kleines Heft, welches im Original 1798 erschien, „Kamisuki chōhōki“ – „Aufzeichnungen von Wissenswertem zum Papierschöpfen“. Es handelt sich um ein Buch im Stil einer Enzyklopädie, das nützliches Wissen zur Papierherstellung leicht verständlich erklärt. Die erste Übersetzung ins Deutsche stammt von 1950, und 1990 wurden 1.000 Exemplare dieser Erstübersetzung von der Baseler Papiermühle neu aufgelegt (Umschlag aus handgeschöpftem Japanpapier, feines Papier für die Textseiten).

– Ich hoffe, auch in dieser Ausgabe ist ein Thema dabei, das Sie anspricht.

Genießen Sie die kalte Jahreszeit bei einem fesselnden Buch … ich wünsche Ihnen viel Spannung und Abwechslung!

– und freue mich darauf, mich zum Frühlingsanfang mit neuen Empfehlungen zu melden.

Susanne Phillipps

21.12.2025 (Ausgabe 21)

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Bildnachweis 

Header: Von Bruno Cordioli from Milano, Italy – Kimono enchantment, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10405206, Ausschnitt, Schrift eingesetzt.

Buch-Arrangement Kabuki Ten Plays: Von Susanne Phillipps – Eigenes Werk; auf Basis eines Ausschnitts aus: Von Torii Kiyotada I – The initial upload has been deleted from ukwiki at 14:31, 16 December 2013 (UTC), as to apply the Commons’ image., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29931008

Buch-Arrangement Katō Shizue: Von Susanne Phillipps – Eigenes Werk

In dieser Ausgabe:

Buchumschlag vor einem Holzblockdruck, der ein Kabuki-Theater zeigt

Topthemen der Zeit auf der Bühne – Was Kabuki-Stücke aus zweihundert Jahren über die Gesellschaft aussagen:

Matsui Kesako (2016). Kabuki. A Mirror of Japan. Ten Plays that Offer a Glimpse into Evolving Sensibilities. Übersetzt von David Crandall.

Das Buch liegt auf einer alten Reiseschreibmaschine, daneben eine wertvolle japanische Geldbörse.

Selbstbestimmt und unabhängig – Katō Shizue, eine wichtige Vertreterin der Frauenbewegung in Japan:

Ishimoto Shidzué (2018). Ein Leben in zwei Welten. Erstübersetzung ins Deutsche von Gerhard Bierwirth mit Harald Raykowski.