Aktuelles

Wissenswertes zur Papierherstellung – ein historischer Leitfaden mit vielen Fakten und noch mehr Humor

Papier war der Stoff, der die Populärkultur der Edo-Zeit (1600-1868) erst möglich machte: Lesehefte, Poster, Autogrammkarten, Landschaftsansichten, Portraits von Schauspielern und schönen Frauen wurden zu Tausenden gedruckt. Doch wie wurden die notwendigen Papiermengen hergestellt? Ein kleines, zeitgenössisches Heft gibt Auskunft: „Kamisuki chōhōki“ – „Aufzeichnungen von Wissenswertem zum Papierschöpfen“. Es handelt sich um ein 50-seitiges Heft, das im Original 1798 erschien: ein Buch im Stil einer Enzyklopädie, das nützliches Wissen zur Papierherstellung leicht verständlich erklärt.

Geschrieben wurde es von einem Papiermacher als Anleitung für Bauernfamilien, die Papier im Nebenverdienst herstellen wollten. Das Buch vereint in der damals typischen Weise Texte mit Abbildungen. Für die deutsche Übertragung wurden die Ursprungsseiten verkleinert und mit einer Kurzbeschreibung des Dargestellten und einer Übersetzung des Textes versehen.

Papierschöpfen Japan: Titelblatt umgeben von rotem Japan-Papier

Titelblatt von „Praktischer Leitfaden der Papiermacherei“ von 1798

Da das Original „von hinten nach vorn“ zu lesen ist (S. 40), stellte sich bei der Übertragung dieses Heftes – wie später bei der Übertragung von Manga – die Frage, wie die Originalseiten in der Übersetzung angeordnet werden sollten. Hier entschieden sich die Herausgeber für eine Umordnung der Seiten, um sie der europäischen Leserichtung anzupassen.

Der Text überrascht mit der Genauigkeit seiner Angaben, mit minutiösen Anleitungen in einzelnen Schritten, die zeitweise an Kochrezepte erinnern. Es gibt Erklärungen verschiedener Papiersorten genauso wie Erläuterungen zu klimatisch bedingten oder regionalen Unterschieden. Der Verfasser erklärt Maßeinheiten, die landesweit voneinander abwichen, und stellt ausführliche Kalkulationen zu möglichen Gewinnen auf.

Ganz anders ist der Charakter der Abbildungen. Hier sieht man die Figuren bei der Arbeit: ihre Gespräche, Gedanken und Empfindungen, ihre Anstrengungen und kleinen Missgeschicke. Sie bringen die einzelnen Schritte des Prozesses lebendig vor Augen und schaffen einen direkten Zugang zum Lesepublikum.

Die Texte sind um diese lebendigen Figuren herum angeordnet, und so lässt sich Zeitgenössisches aus den Seiten herauslesen:

  • zur Bedeutung der Herkunft der Rohstoffe: Die Papiersorten haben regional unterschiedliche Stärken und Schwächen und tragen je nach Ursprungsort spezielle Namen (S. 29).
  • über damalige Ansichten zur Gesellschaft: „Eine Person bekommt 500 Momme [Maßeinheit für Silber]. Selbstverständlich ist die Frauenarbeit nicht berücksichtigt, da sie während der freien Zeit der Frau erfolgt.“ (S. 29)
  • zum damaligen Weltbild: Manchmal gelingt das Kochen der Fasermasse nicht recht. „Ich glaube, dass die Ursache dieses Missstandes darin zu suchen ist, dass Hundegeister im Kochkessel festgebrannt sind.“ – ein Zauber, von dem man sich laut Autor durch Beten befreien konnte (S. 21).

Der Band enthält zwei Seiten zur Entstehungsgeschichte der deutschen Übersetzung und fünf Seiten mit Anmerkungen, vor allem zu den Maßeinheiten, den dargestellten Gerätschaften und den Unterschieden zur europäischen Papierherstellung.

1990 wurden 1.000 Exemplare der deutschen Erstübersetzung von 1950 nachgedruckt (Umschlag aus handgeschöpftem Japanpapier, feines Papier für die Textseiten). Einzelne Exemplare sind in großen Bibliotheken (zum Beispiel der Staatsbibliothek) ausleihbar oder im Antiquariat erhältlich.

Praktischer Leitfaden der Papiermacherei von Jibei Kunihigashi, Osaka 1798. Deutsche Fassung nach Dr. Goro Mayeda und Yoishi Jsozaki bearbeitet von Fritz Tschudin, Riehen bei Basel (1950). In: Mitteilungen aus der Papierabteilung der Verkaufsfärberei der Sandoz AG“. Autorisierte Neuauflage durch die Basler Papiermühle, Basel 1990. [Original: Kunihigashi Jibei (1798): Kamisuki chōhōki, Ōsaka].

Papierschöpfen Japan: Farbholzschnitt, Mann sitzt in einem Raum mit geöffneten Schiebetüren und schaut hinaus in die Landschaft

Der Dichter Kakinomoto Hitomaru, Begründer und Beschützer des Papierhandwerks. Der Verfasser schreibt am Ende seiner Einleitung: „Ihn sollten wir verehren. Ich betone dies, weil die Leute unserer Tage diese Gottheit und ihre großen Verdienste leider nicht mehr kennen.“ (S. 7)

Länderportrait Japan

Mein Länderportrait zu Japan ist nun in zweiter Auflage wieder lieferbar, als Hardcover in einem neuen Format realisiert und inhaltlich umfassend aktualisiert.

Das Buch umfasst:

  • Geografie und Klima
  • Flora und Fauna
  • Kulturgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart
  • aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation
  • moderne Künste und Populärkultur
  • virtuelle Reise durch Japan mit einer Beschreibung der Regionen

Alle Doppelseiten sind mit Abbildungen versehen, die den Text begleiten und erläutern.

Susanne Phillipps (2024): Japan. Alles, was Sie über Japan wissen müssen. Berlin: Mana; Hardcover, 542 Seiten.

Über mich

Im Herbst 1987 schrieb ich mich zum Studium der Japanologie ein. Dass ich mich schon lange mit Japan beschäftigte, wurde mir bewusst, als Tennō Akihito im April 2019 abdankte. Ich erinnerte mich an seine Thronbesteigung im Januar 1989 und realisierte, dass eine Ära, die ich ganz miterlebt hatte, vorüber war.

Nach dem Studium wählte ich das Lebenswerk des promovierten Mediziners und Manga-Zeichners Tezuka Osamu zum Dissertationsthema. Seit dieser Zeit arbeite ich bei einem mittelständischen Unternehmen für Medizintechnik, verantwortlich für grundlegende Organisationsstrukturen und für das QM-System. Der Kontakt zu Forschung und Lehre ist jedoch nie abgebrochen. Regelmäßig verbringe ich längere Zeit in Japan und veröffentliche Bücher über das Land. So entstand im Laufe der Zeit die Idee für dieses Online-Magazin.

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung: susanne.phillipps@japanwissen.info

21. Dezember 2025 (Ausgabe 21)

Susanne Phillipps

Datenschutzhinweis: An dieser Stelle ist eine Anmerkung notwendig. Ich habe meine Website selbst erstellt, sie nutzt weder Cookies für Webtracking noch Web-Analyse-Programme. Ich verweise auf meine Datenschutzerklärung und verstehe die weitere Nutzung meiner Website als Einverständniserklärung.

Bildnachweis

Header: Von Bruno Cordioli from Milano, Italy – Kimono enchantment, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10405206, Ausschnitt, Schrift eingesetzt.

Buch-Arrangement Praktischer Leitfaden der Papiermacherei: Von Susanne Phillipps – Eigenes Werk

Von Utagawa, Kuniyoshi, 1798-1861 – Library of Congress[1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5918646

Buchcover Japan: © Mana-Verlag