Liebe Japan-Interessierte,
herzlich willkommen zur 23. Ausgabe von japanwissen.info!
Sommeranfang
Am 21. Juni ist der längste Tag des Jahres: Sommeranfang – und damit Zeit für eine neue Ausgabe.
Die neuen Empfehlungen
Wie immer könnten die Werke, die ich hier vorstelle, unterschiedlicher nicht sein.
Zum einen empfehle ich ein Buch, das für das Verständnis moderner japanischer Ästhetik ungemein wichtig ist: „Irresistible“ von Joshua Paul Dale. Dale macht sich auf die Spuren der einfachen, kindlichen, charmanten Elemente, die als „kawaii“, als „niedlich“ und damit unwiderstehlich, gelten und in Japan inzwischen überall anzutreffen sind: Sie zeigen sich in Kunst und Popkultur, in der Mode, in der Technik, sie sind Marketing-Strategie und Konsum-Anreger. Dale stellt mit dem Buch eine Kombination verschiedener Herangehensweisen an das Phänomen bereit. Er forscht in der europäischen Kunstgeschichte und in der US-amerikanischen Populärkultur nach Vorläufern der niedlichen Formen, zeichnet außerdem die historische Entwicklung in Japan nach. Das Besondere an dem Buch ist, dass der Autor diese ästhetischen und soziokulturellen Untersuchungen mit Ergebnissen aus Forschungsfeldern der Biologie ergänzt.
Zum anderen empfehle ich einen Katalog des Kunstmuseums Winterthur über einen Maler, der auf den ersten Blick nichts mit Japan zu tun hat: Édouard Vuillard (1868-1940). Zum ersten Mal begegnet bin ich seinen Werken in der Bretagne – die regelmäßig als „Vuillards Japan“ bezeichnet wird. Der Maler war über fünf Jahrzehnte hinweg kreativ und zählt zu den Post-Impressionisten. Er war in verschiedenen Genres zu Hause und wandte unterschiedliche Gestaltungstechniken an. Hier in japanwissen.info ist ihm eine Empfehlung gewidmet, da er wie viele europäische Künstler seiner Zeit von japanischen Farbholzschnitten enorm beeindruckt – und beeinflusst – war. Die Nähe seiner Werke zu den japanischen Vorlagen ist nicht so offensichtlich wie bei anderen französischen Malern. Im Gegenteil, durch den eigenwilligen Farbauftrag und den für ihn typischen Gebrauch der Materialien dauert es einen Moment, Gestaltungselemente japanischer Farbholzschnitte in seinen Werken wiederzuerkennen. Bei genauerer Betrachtung fallen aber Ähnlichkeiten ins Auge und es lohnt sich, sie zu entdecken.
In der Sparte „Aktuelles“ möchte ich Ihnen in dieser Ausgabe einen besonderen Blick auf den Berg Fuji, jenseits seiner Darstellungen in der Kunst, als Pilgerort oder touristisches Ziel, anbieten. Eine Episode der Reihe „Wundersame Wolken“ auf ARTE behandelt eine spezielle Wolkenformation über dem Gipfel des Fuji: den so genannten „Kasagumo“ (wörtlich: „Wolkenhut“).
– Ich hoffe, auch in dieser Ausgabe ist ein Thema dabei, das Sie anspricht.
Genießen Sie die warme Jahreszeit bei einem kühlen Getränk und einem fesselnden Buch … ich wünsche Ihnen viel Spannung und Abwechslung!
– und freue mich darauf, mich zum Herbstanfang mit neuen Empfehlungen zu melden.
Susanne Phillipps
21.06.2026 (Ausgabe 23)
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Bildnachweis
Header: Von Bruno Cordioli from Milano, Italy – Kimono enchantment, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10405206, Ausschnitt, Schrift eingesetzt.
Buch-Arrangement kawaii: Von Susanne Phillipps – Eigenes Werk
Buch-Arrangement Vuillard: Von Susanne Phillipps – Eigenes Werk
In dieser Ausgabe:
Puppenhafte Wesen mit großen Augen – eine Zeitreise durch die Welt des Niedlichen:
Joshua Paul Dale (2023). Irresistible. How Cuteness Wired Our Brains and Conquered the World. London: Profile Books.
Japan in der Bretagne – der Einfluss japanischer Farbholzschnitte auf die Werke von Édouard Vuillard:
Édouard Vuillard, 1868-1940. Herausgegeben von Dieter Schwarz (2014). Mit Beiträgen von Noelle Paulson, Dieter Schwarz und Annabel Zettel. Ausstellungskatalog des Kunstmuseums Winterthur.


